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Lernen und Leistung bringen
A) Lernen an der August-Hermann-Francke-Schule – Lernbegriff und schulisches Lernen
Die ureigenste Aufgabe der Schule ist es, Lernen zu organisieren, Lernbereitschaft herzustellen und Lernräume so zu gestalten, dass Lernen und Lehren gelingen kann. Im Sinne eines „Haus des Lernens” soll und muss Schule individuelles und gemeinsames Lernen ermöglichen, individuelle und gemeinsame Lernprozesse initiieren, individuelle und gemeinsame Lernerfahrungen vermitteln. Die Schülerinnen und Schüler sollen hierbei Lernen als eigene und zugleich gemeinsame Aufgabe verstehen. Dabei ist – im Sinne der aktuellen, gesellschaftlichen Bildungsdiskussion – von der Vorstellung auszugehen, dass der Mensch nicht nur in der Schule Lernender ist.
Lernen ist also ein sich auf alle Lebensphasen erstreckender, komplexer Prozess, in dem im Austausch mit der Umwelt Erfahrungen gemacht, verarbeitet und neu angewendet werden. Dieser Prozess verläuft teils zielgerichtet, teils spontan: Während Lernen in den ersten Lebensjahren als ein Entwicklungsprozess aufzufassen ist, in dessen Verlauf sich im Austausch mit der Umwelt Anlagen entfalten und Lernen eher spontan verläuft (Laufen, Sprechen, emotionale Kommunikation und Kompetenz etc.), wird späteres Lernen ein zunehmend bewusster Prozess, d. h. Erlerntes wird bewusst als Zuwachs wahrgenommen, reflektiert und in neue Situationen als sicheres Vorwissen eingebracht. Lernen erstreckt sich auf ein weites Spektrum unterschiedlicher Lebensbereiche und Lerninhalte (man kann auch Angst lernen), deshalb wird hier auch von einem erweiterten Lernbegriff ausgegangen.
Schulisches Lernen steht im Dienst eines gesellschaftlichen Erziehungs- und Bildungsauftrages (Richtlinien des Landes NRW). Daraus ergibt sich, dass Lernen in der Schule ein sinnreicher und - besonders für die August-Hermann-Francke-Schule - ein in christlicher Verantwortung stehender Bildungsgang ist, der auf gemeinsam verantwortete Bildungsziele hinausläuft. Lernen in der Schule zeichnet sich dadurch aus, dass es auf Fächer und deren Fachinhalte ausgelegt ist und in den jeweiligen Jahrgangsstufen an Umfang, an Qualität (Progression) und an Selbstständigkeit zunimmt. Sprachlernen (norm- und regelbewusstes Sprechen und Schreiben, aktiver und passiver Wortschatz, differenzierte Ausdrucksmöglichkeiten), Begriffslernen (Klassifizierung, Definition) und problemlösen- des Lernen (z. B. zwei oder mehr zuvor erworbene Regeln werden kombiniert; Prozeduren der Problemlösung sind nicht vorgegeben) sind wesentliche Elemente des fachspezifischen Wissenserwerbs. Dem problemlösenden Lernen und dem fächerübergreifenden und fächerverbindenden Lernen kommt angesichts einer komplexeren gesellschaftlichen und beruflichen Wirklichkeit besondere Bedeutung zu. Daher werden die Stoffverteilungspläne darauf hin ausgerichtet, dass der Regelunterricht in angemessener Weise durch fächerverbindende und fächerübergreifende Projekte abgelöst wird und lehrerzentriertes Unterrichtsgeschehen verstärkt durch Phasen der selbstgesteuerten Tätigkeit der Schülerinnen und Schüler ersetzt werden muss. Das heißt aber auch, dass Schülerinnen und Schüler mit in die Planung von Unterricht, in die Auswahl von Unterrichtsinhalten, Arbeitsformen sowie Lernmethoden einbezogen werden müssen – also Lernen selbst steuern und mit verantworten.
Lernen ist immer auch auf Leistung ausgerichtet. Die August-Hermann-Francke-Gesamtschule sieht es – angesichts unterschiedlicher Schulabschlüsse - als eine ihrer ersten Herausforderungen an, in allen Bildungsgängen der Sekundarabschlüsse hohe Lernstandards zu halten um so sichere Qualifikationen vermitteln zu können. Objektive, gerechte und transparente Leistungsbewertung, Binnendifferenzierung aber auch gezielte Lernförderung sollen Leistungsanreize sein und die Bereitschaft entwickeln, ein vorgegebenes oder wünschenswertes Niveau zu erreichen. Ein Gelingen setzt angstfreie Lernräume voraus. Die August-Hermann-Francke-Schule will so ein “Haus des Lernens” sein und trägt mit einer Reihe von schulinternen Einrichtungen (Kurssystem) und der Gestaltung eines positiven Schulklimas dieser Forderung Rechnung.
Schulisches Lernen zielt auch auf den Erwerb von Sozialkompetenz (soziales Lernen). Das heißt eigenes Verhalten (Sprachverhalten, geschlechtsspezifische Umgangsformen etc.), eigenes Lernen (individuelles Lerntempo, Interessen) in unterschiedlichen (formellen und informellen) Gruppengefügen (Schulgemeinschaft, Klassenverband, Kurslerngruppe) zu erproben und zu integrieren (Teamfähigkeit, Kooparations- und Kritikbereitschaft etc.). Ein so verstandenes Lernen nimmt den ganzen Menschen mit seinen unterschiedlich ausgeprägten Gaben in den Blick.
B) Zum Leistungsbegriff an der August-Hermann-Francke-Schule
Welche Art von Leistung auch immer eingefordert und gemessen wird - der Leistungsbegriff an der August-Hermann-Francke-Schule orientiert sich am biblisch-christlichen Menschenbild. Das bedeutet in erster Linie, dass wir den Wert des Menschen nicht an seinen Leistungen messen, den Schülerinnen und Schülern also unabhängig von ihren Leistungen Annahme und Wertschätzung vermitteln wollen.
Wir verwenden den Leistungsbegriff positiv, indem wir Lernen und Leistung als Entfaltung von individuellen Gaben verstehen, die dem Einzelnen mitgegeben sind. Daher wollen wir die Schülerinnen und Schüler ermutigen, ihre Gaben in Verantwortung vor Gott, sich selber und ihren Mitmenschen einzusetzen zu entfalten. Damit wollen wir den Heranwachsenden Freude am Lernen vermitteln und auf diese Weise eine Leistungskultur pflegen. Auf der anderen Seite wollen wir den Schülerinnen und Schülern auch helfen, Grenzen, die sie nicht überschreiten können, anzunehmen ohne dabei ihr Selbstwertgefühl zu verlieren.
Die gesellschaftliche Diskussion um den Leistungsbegriff ist funktional und ökonomisch orientiert. Leistung ist vor allem produktorientiert und wird im schulischen Kontext als Beherrschen von Kulturtechniken und Arbeitsmethoden, sowie als Stoff- und Fachwissen verstanden und gemessen. Die Verantwortung der Schule, Kinder und Jugendliche so vorzubereiten, dass sie in dieser “Leistungsgesellschaft” zurechtkommen, erfordert es, dass wir an der August-Hermann-Francke- Schule die genannten kognitiven Leistungen fördern und sie von den Schülerinnen und Schülern einfordern. Allerdings sind wir uns angesichts der Fülle von möglichem Wissen und möglichen Fertigkeiten dessen bewusst, dass solche Lerninhalte lediglich exemplarisch erarbeitet werden können.
Die pädagogische Diskussion macht jedoch deutlich, dass der Leistungsbegriff wesentlich weiter zu fassen ist. Nicht nur der statische Aspekt (produktorientierte Leistung), sondern auch der dynamische Aspekt (prozessorientierte Leistung) muss bei der Einschätzung von Leistung beachtet werden. Dem Vollzug der Lernprozesse und dem individuellen Lernfortschritt muss unbedingt Rechnung getragen werden. Differenzierte Lernwege und individuelle Lernförderung sind daher für uns unverzichtbar. Des weiteren kann der Leistungsbegriff nicht auf den kognitiven Bereich beschränkt bleiben, sondern muss mit sozialem und ganzheitlichem Lernen verknüpft werden. Die Wahl vielfältiger Sozialformen und das Arrangement kooperativer, kreativer und ganzheitlicher Lernaktivitäten sollen Leistungen in diesem Bereich motivieren. Die Schule ist nur ein Teil der Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler. Auch in Familie, Gruppe, Gemeinde und Gesellschaft werden den Kindern und Jugendlichen Leistungen abverlangt. Die August-Hermann-Francke Schule berücksichtigt dies, indem sie auf die außerschulische Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler Bezug nimmt, sie im Prozess des Heranwachsensberatend unterstützt und ihr Engagement außerhalb der Schule grundsätzlich begrüßt.
Beschluss der Schulkonferenz vom 13.06.2000
C) Praktische Aspekte in der schulischen Arbeit
Als erklärte Ziele unserer unterrichtlichen Arbeit stellen sich die Förderung der Lern- und Leistungsbereitschaft unserer Schülerinnen und Schüler sowie der Ausbau ihrer Lern- und Leistungsfähigkeit dar. Ein solcher Leistungsanspruch versteht sich vor dem Hintergrund unserer christlich-sozialen Mitverantwortung für die uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen und beinhaltet die Berücksichtigung und Würdigung ihrer individuellen Stärken und Schwächen.
Eine unserer zentralen Aufgaben sehen wir darin, den Übergang von der Grundschule in die Sekundarstufe I zu erleichtern. Zu diesem Zweck sollen der Austausch und die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen aus den Grundschulen verstärkt werden, um die optimale Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler auf die weiterführende Schule zu gewährleisten.
Mit Hilfe verschiedener Ansätze soll versucht werden, die unterschiedlichen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler zu fördern:
Unsere Schülerinnen und Schüler sollen das Lernen lernen. Wir wollen Lernstrategien vermitteln und einüben, damit die Kinder und Jugendlichen sich Methoden des Lernens aneignen und diese zum selbstständigen Wissenserwerb – auch zu Hause – nutzbringend einsetzen.
Neben dem Erwerb von Fachwissen und Methodenkompetenz ist der Allgemeinbildung hinreichend Platz einzuräumen. Dies gleicht die Folgen einer starken Spezialisierung aus und gibt Schülerinnen und Schülern Verhaltenssicherheit in offenen gesellschaftlichen Situationen.
Handlungsorientierung bestimmt das unterrichtliche Geschehen. Das bedeutet die Aufhebung des absoluten Primats der Kopfarbeit. Vielmehr beinhaltet schulische Arbeit ein “Lernen mit Kopf, Herz und Hand”, bezieht also unterschiedliche Lernebenen ein.
Grundsätzlich sollen die Unterrichtsinhalte an der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen orientiert sein und einen problemorientierten Zugriff ermöglichen.
Projektwochen und fächerübergreifende Lernvorhaben stellen einen integralen Bestandteil unserer schulischen Arbeit dar. (siehe hierzu Kap. Handlungsorientiertes Lernen und Projektlernen)
Im Rahmen der Öffnung von Schule sind das Gespräch und die Zusammenarbeit mit Fachleuten – Beschäftigten und Ausbildenden - im Unterricht zu suchen.
Die Schülerinnen und Schüler sollen in zunehmendem Maße befähigt werden, ihre eigene Leistung einzuschätzen und zu bewerten.
Ein Konzept für gezielten Förderunterricht ist entwickelt.
Bei sehr leistungsschwachen Schülerinnen und Schülern muss auf die Eltern eingewirkt werden, der Wiederholung eines Schuljahres zuzustimmen.
In einer von Medien bestimmten Gesellschaft betrachten wir es als unsere Aufgabe, in der Schule Medienkompetenz zu vermitteln, durch die Kinder und Jugendliche in die Lage versetzt werden, aus einem vielfältigen Medienangebot gezielt auszuwählen und Medien interessengeleitet zu nutzen.
Eingebunden in jedes Unterrichtsfach findet in allen Jahrgängen der Sek.I Verkehrserziehung statt, welche die Schülerinnen und Schüler zu einer verantwortungsbewussten und rücksichtsvollen Teilnahme am Straßenverkehr befähigen soll.
Beschluss der Schulkonferenz vom 19.09.2000