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Klassische Musik - langweilig?!

Eine Umfrage zeigt, dass Klassische Musik gar nicht so langweilig ist, wie die meisten denken.

 

Die ernste Musik, die im normalen Sprachgebrauch auch Klassische Musik genannt wird, wurde nach und nach von der Unterhaltungsmusik, gemeint sind zum Beispiel Hip-Hop, Rock, Schlager und Jazz, regelrecht unterdrückt. Ein Grund dafür könnte sein, dass man sich in die Klassische Musik viel mehr hineindenken muss, um sie zu verstehen und nicht als langweilig zu empfinden. Diesen Aufwand wollen sich die meisten nicht antun, denn sie hören Musik zur Unterhaltung, wie zum Beispiel beim Autofahren.

Bei einer Umfrage in der Detmolder Innenstadt kamen wir zu dem Ergebnis, dass 40% der Befragten klassische Musik hören. Dies sind hauptsächlich Senioren. Bei einer zusätzlichen Umfrage unter ausschließlich Jugendlichen  kamen wir zu ähnlichen Ergebnissen: 35% hören klassische Musik, die übrigen 65% antworteten mit nein. Dadurch bestätigt sich die Vermutung, dass Klassische Musik zu einem größeren Teil von älteren Menschen gehört wird, da diese sie nicht als Hintergrundmusik zu einer Beschäftigung hören, sondern die Beschäftigung an sich das Hören der Musik ist.

Wir besuchten auch einen Meisterkurs der Cello-Professorin Karine Georgian, die für einige Tage nach Detmold an die Hochschule für Musik angereist war. Sie unterrichtete einige ausgewählte Studenten und die Öffentlichkeit konnte dabei zusehen. Diese Möglichkeit haben auch rund 60 Leute genutzt und den sowieso kleinen Übe- und Unterrichtsraum noch kleiner aussehen lassen. Dadurch wird klar, dass sich doch viele Jugendliche oder junge Erwachsene mit der klassischen Musik auseinandersetzen. Klassische Musik ist nicht für alle und jeden langweilig. Es kommt auch auf den Geschmack des Hörers an, und wie man hört.

Musik ist nur dann langweilig, wenn sie nicht verstanden wird und man sich nicht in sie vertieft.

Autorenteam: Daniel Brückmann, Henry Friesen, Andreas Funk, Ronny Lepp, Richard Löwen, Dominik Richter, Rudi Schulz

 

Flucht nach Tangija

Geschrieben von: Schüler aus dem Deutsch E-Kurs, Klasse 8ac

 

Erzählung des  DE-8ac-Kurses, nachempfunden der Erzählung von Siegfried Lenz „Lukas, sanftmütiger Knecht“ 

 

Ich saß auf der Veranda der Farm, meiner elterlichen Farm. Ich starrte in die vor Hitze flimmernde Luft, durch die hin und wieder kleine Wolken von Asche trieben. Es roch stark nach Rauch.  Er kam von den brennenden Grasflächen, die von den Farmern angezündet worden waren. Ich beobachtete  Tiere, die vor den Wänden aus Feuer flohen, die alles vernichteten, was ihnen in die Quere kam. In mir stieg Unruhe auf und ich dachte an die brennende Savanne. Als ich noch klein war, hatte ich oft Angst, dass das Feuer zu uns herüber kommen und alles vernichten würde.

Heute Morgen war mein Vater weggefahren. Ich wusste nicht wohin, doch als er sich von mir verabschiedete, sagte er, dass er am nächsten Tag wiederkommen würde. Dann gab er Gas und fuhr mit seinem Jeep davon. Erst jetzt  fiel mir auf, dass Lukas, unser stiller, sanftmütiger Knecht, verschwunden war. Ich stand auf und lief nervös auf der Veranda hin und her.

Auf einmal stürzte Mutter panisch  heran und rief außer sich, dass sie kämen. Ich stammelte nur unsicher, dass sie bestimmt nicht zu uns wollten. Das konnte nicht sein. Das durfte einfach nicht sein. Wir liefen angsterfüllt zur Rückseite des Hauses und spähten aus dem Küchenfenster. Etwa 15-20 hagere, dunkelhäutige Kikujus, bewaffnet mit riesigen, bedrohlich blitzenden Messern, wie ich sie noch nie zuvor gesehen hatte, näherten sich unaufhaltsam unserem Haus. Doch außer den Kikujus in ihren zerlumpten Kleidern mit ihren riesigen, scharfen Messern war auch die sich wie eine Feuerwalze unaufhaltsam nähernde Flammenwand eine ernst  zu nehmende Bedrohung für uns. Ich spürte förmlich die Wärme, die von ihr ausging. Sie versperrte uns jede Fluchtmöglichkeit. Die Vorstellung den Flammen zum Opfer zu fallen, erregte in mir eine Übelkeit und mir wurde ganz schwindelig. Dennoch flößten mir die unberechenbaren Kikujus, die feindseligen, noch mehr Angst ein, als das von den Farmern entzündete Feuer.

Ich war unsicher und fühlte mich bedroht. Was sollten wir tun? Sollten wir versuchen zu fliehen? Doch wir kannten ihre Absichten nicht. Wir standen wie versteinert vor dem Fenster und sahen, wie sie sich näherten. Allerlei Gedanken schossen durch meinen Kopf, Gedanken, die ich nicht kontrollieren konnte. Ich war ratlos. Meine Mutter holte das Gewehr hervor, das bei uns im Haus immer bereit lag. Doch als ich ihn unter den Kikujus entdeckte, beruhigte ich sie, sodass sie es erleichtert wieder an seinen alten Platz zurück stellte. Sie öffnete die Tür, um Lukas, unseren sanftmütigen Knecht, herein zu lassen. Lukas, unseren sanftmütigen Knecht seit vierzehn Jahren.

Ich sah, wie Lukas, der stille, sanftmütige Knecht, eintrat. Er schob meine Mutter achtlos zur Seite, meine Mutter, die ihn begrüßen wollte, und der Sanftmütige ergriff das Gewehr. Er ging weiter ins Haus und kam kurz darauf mit dem Armeerevolver zurück, dem Armeerevolver meines Vaters. Lukas beachtete unsere Bemühungen, mit ihm zu sprechen, nicht. Wir beobachteten, wie die hageren Kikujus zusammen standen und beratschlagten, wobei Lukas, der stille, sanftmütige Knecht, anscheinend die Rolle eines Anführers einnahm. Lukas, der das entscheidende Wort hatte.

Wir wurden im Haus festgehalten. Ein paar Kikujus gingen weg und kamen kurze Zeit später mit Benzinkanistern zurück. Ich sah, wie sie in unserem Haus das Benzin ausgossen. Meine Mutter konnte sie nicht aufhalten. Wir dachten, wir müssten hier jetzt sterben und hatten große Angst. Deshalb baten wir Lukas, der seit vierzehn Jahren unser Knecht war, uns laufen zu lassen. Aber Lukas sah nicht so aus, als ob er uns verschonen würde.  Er zündete sogar das Benzin an. Er steckte das Haus in Brand, unser Haus, in dem wir so lange gewohnt hatten.

Einige Kikujus näherten sich uns mit ihren Panga-Messern, die in der Sonne bedrohlich blitzten. Meine Mutter schrie. Sie dachte das gleiche wie ich, sie dachte auch, dass wir sterben würden, sie dachte, dass sie uns mit ihren Panga- Messern umbringen würden. Doch dann kam er dazwischen, er hob nur schweigend seine Hand und die Kikujus traten zurück. Lukas wollte nicht, dass wir hier sterben. Ich wusste nicht, was er vorhatte, sein Gesichtsausdruck war hart und fremd. Er deutete in die Ferne und meinte leise, dass es besser sei in die nächste, größere Siedlung  zu fliehen.  Ich hatte Angst, doch noch mehr Angst hatte ich, hier bleiben zu müssen. Sie würden uns umbringen, da war ich mir ganz sicher. Sie würden uns mit ihren Panga-Messern umbringen. Meine Mutter stand wie gelähmt auf dem Platz, auf dem Platz vor unserer Farm. Die Farm gehörte zwar uns, wir hatten sie gebaut, doch das Land, auf dem sie stand, hatte schon immer den Kikujus gehört. Es gehörte Lukas. Lukas, unserem sanftmütigen Knecht. 

Mutter fasste nach meiner Hand und zerrte mich hinter sich her. Ich folgte so schnell ich konnte. Die Sonne brannte ungnädig auf uns herab. Die heiße Luft nahm mir den Atem. Wir liefen bis zu den Maisfeldern und drehten uns ein letztes Mal zu unserer Farm um, aber da war nur ein Meer aus lodernden Flammen. Mit der Farm verbrannte unser ganzer Besitz.  Das Dach brach zusammen, es krachte gewaltig, die Funken stoben zum Himmel empor. Wir aßen noch ein paar Maiskolben. Kurz vor  Einbruch der Dunkelheit machten wir uns auf den Weg zur nächsten Siedlung. Wir mussten unbedingt Vater finden.

Wir kamen nicht so schnell voran, wie wir es erhofft hatten. Da sahen wir ihn, ich wusste nicht, ob er uns bemerkte, aber wir sahen ihn. Er hatte ein gelb-braunes Fell mit dunklen Punkten. Das gefährlichste Tier im Bambuswald. Der Leopard hatte uns den Rücken zugewandt. Ich flüsterte meiner Mutter zu,  sie solle leise sein. Da blieb er stehen,  drehte sich langsam um, er drehte sich in unsere Richtung. Er musste uns gewittert haben.  Plötzlich sprang eine Antilope aus dem Dickicht, blitzschnell jagte der Leopard ihr nach.  

Nachdem wir den Fluss mit letzter Kraft erreicht hatten, sanken wir völlig erschöpft auf einem Bambusfloß nieder. Es trieb in der Dunkelheit den Fluss hinunter. Zwischen der Angst vor Krokodilen, die vielleicht im Wasser herumschwammen, und der Angst  im Schlaf die nächste Siedlung zu verpassen, dachte ich über die Ereignisse der letzten Tage nach. Warum können Schwarze und Weiße nicht friedlich miteinander leben?

Unsanft wurde ich aus meinen Gedanken gerissen.  Das Floß begann zu sinken.  Wir versuchten ans Land zu gelangen, indem wir uns an den herabhängenden Lianen festhielten. Als wir endlich festen Boden unter den Füßen  spürten, mussten wir uns an den Händen halten, da es finster war. Es war so dunkel, dass man nicht einmal die Hand vor den Augen sah. Wir tasteten uns durch den Bambus und ich fürchtete mich sehr, da ich wusste, dass wilde Tiere oft bei Nacht zuschlugen.

Auf einmal  leuchteten Lichter in der Dunkelheit auf, als wir uns näherten, erkannten wir die Häuser von „Tangija“.  Unendlich froh und erleichtert  klopften wir an die erstbeste Tür. Eine freundliche Dame öffnete, wir baten sie, bei ihr übernachten zu dürfen. Wir konnten bleiben, müssten aber das Zimmer mit einem anderen Gast teilen. Als wir das Zimmer betraten, erkannte  ich ihn sofort im Schein der Lampe. Da war er.  Der, den wir so sehr vermisst hatten.

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